START STIFTUNG – Schülerstipendien für begabte Zuwanderer

von am 06. August 2009

Mit Engagement nach oben

Bildung als Chance - Start-Stiftung fördert junge Migranten auf weiterführenden Schulen. Begleitung durch die RAA

scan0002Bildungsgeld für Begabte

Start ist ein Stipendienprogramm für begabte und engagierte Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulen. Bei der Auswahl zählt nicht nur die schulische Leistung, sondern auch ehrenamtliches Engagement (z.B. als Klassen- oder Schulsprecher, Übungsleiter/in oder Schülerzeitungsmitarbeiter/in) und die finanzielle Situation der Familie. Stipendiaten erhalten monatlich 100€ Bildungsgeld, einen Laptop mit Drucker und Internetanschluss, sie besuchen Seminare aus Natur und Technik, Sport, Kunst, Musik und Politik, außerdem werden sie individuell zur schulischen und persönlichen Entwicklung beraten.

Online: www.start-stiftung.de

Wenn Jutta Linke-Schlinkmann von den Stipendiaten spricht, spricht sie von ihren “Kindern”. Nirviya und Zekije, Samim und Serhat dulden das wohlwollend, ist ihnen doch die ausgebildete Lehrerin bei der Regionalstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) Ansprechpartnerin, Beraterin und Helferin in allen Fragen rund um das “Start”-Programm.

Die beiden Wanner Gesamtschülerinnen, 18 und 19 Jahre alt, und die 17-jährigen Gymnasiasten aus Wanne gehören zu den 52 Glücklichen in Nordrhein-Westfalen, denen die Start-Stiftung nicht nur ein Taschengeld bezahlt, sondern auch Türen öffnet, die ihnen als Migrantenkindern sonst möglicherweise verschlossen geblieben wären. Das zumindest ist Anspruch des Programms, an dem von den genannten Jugendlichen bis auf Neuling Nirviya Dharmaseelan alle schon im dritten Jahr teilnehmen. Dass sie aufgenommen wurden, verdanken sie ihren guten Leistungen – Notenschnitt von 2,5 oder besser – und ihrem außerschulischen Engagement. Auf dieses Potenzial können sie im Laufe ihrer Stipendiatenzeit, bis zum Abitur, einiges an Zusatzqualifikationen draufsatteln. Nirviya etwa, die vor sieben Monaten startete, hat durch ein Seminar an Selbstsicherheit gewonnen. “Wenn ich Vorträge halten musste, war ich eher schüchtern und aufgeregt”, sagt sie. “Das ist besser geworden”. Auch gehe sie gelassener mit ihrer dunklen Hautfarbe um. “Start gibt Stärke”, sagt die Gesamtschülerin von der Stöckstrasse.

Andere haben ein Bewerbungstraining hinter sich, tanzen gelernt oder ein Knigge-Seminar besucht. Was Serhat Kizilboga schon dienlich war, als er den Bundespräsidenten Horst Köhler besucht hat. Die Seminare, da sind sich alle einig, sind das eigentlich Tolle: Neues sehen, Leute treffen, ins Ausland fahren wie demnächst Serhat in die USA und Nirviya nach England – solche Extras hätten sich die Eltern, die aus Sri Lanka, dem Kosovo, Afghanistan und als Kurden nach Deutschland gekommen sind, wohl nicht leisten können.

Als “Elite” empfinden sich die 4 Wanner Jugendlichen trotzdem nicht: “Wir haben viel dafür getan”, sagt Serhat. “Ich sehe das als Belohnung.” In der Tat wird von ihnen auch etwas erwartet. Dass sie sich sozial engagieren wie Zekije Bajrami, die zwar in der Jahrgangsstufe 13 ihre schulischen Ämter so ziemlich alle abgelgt hat, aber noch über das Start-Programm informiert und einen Albanisch-Kurs auf die Beine stellen will, die Theater spielt und an ihrer Schule den Auschwitz-Gedenktag mitgestaltet hat. Ähnlich aktiv sind sie alle.

Gefordert werden zudem Halbjahresberichte, in denen die Stipendiaten ihre Entwicklung nachzeichnen. Bei Samim Ayami nahm die Motivation stetig zu. Sein Notenschnitt stieg von 2,4 auf 1,2. “Je höher man kommt, um so ernster nimmt man die Schule.” Nicht weil der Druck steigt, sondern man “organisierter an die Sachen herangeht”. “Mut und Kraft” hat auch Zekije aus ihrem Stipendium geschöpft und die Gewissheit, dass auch andere Migranten ihren Weg gehen. Wohin er führen soll? Zekije will sich in Passau um einen Studienplatz für Staatswissenschaften bewerben. Auch die anderen drei haben ehrgeizige Pläne. Samim und Nirviya neigen zum Medizinstudium, Serhat will in die Wirtschaft gehen.

(Quelle: WAZ, 07.04.09)

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