Die Jugend Südafrikas

von am 16. Juni 2010

White River, mbl; Ein kleines Mädchen sitzt alleine auf einem Stein in der prallen winterlichen Mittagssonne. An ihren Armen und den Beinen zeigen sich mehrere offene Wunde. In diesen saugen Fliegen die Körperflüssigkeit aus ihrem Körper. Mit einer kleinen Bewegung versucht das Mädchen die Parasiten zu verscheuchen. Doch die lästigen Sauger kommen sofort wieder. Ihre Mimik ist versteinert. Sie zeigt keine Rührung. Auch als ich mit einem Luftballon auf sie zukomme bleiben ihre Augen regungslos. In diesen trostlosen Augen kann man erahnen, was das Mädchen in seinem Leben schon gesehen hat. Denn sie ist eine der Aidswaisen, die in einem Township außerhalb der Stadt Nelspruit leben. Ihre Eltern sind an der Immunkrankheit gestorben und auch in ihrem Körper befinden sich die gefährlichen Viren. 50% aller Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren haben in Südafrika Aids. Mit dieser Krankheit sind sie abgestempelt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Sie müssen in den Townships der großen Städte jeden Tag um ihr Überleben kämpfen.

Nur wenige Kilometer entfernt im kleinen Örtchen White River, sitzt ebenfalls ein afrikanischer Junge auf einem Stein. Doch keine Wunden oder Fliegen prägen seine Erscheinung. Es ist vielmehr die Schuluniform der lokalen Grundschule, die ihn kennzeichnet. Sein Gesicht ist offen und voller Neugier. Gespannt wartet er bis das lokale Rugbyspiel seiner Schule gegen eine andere Schule aus der Provinz beginnt. Seine Eltern sitzen auf der nahegelegenen Tribüne und unterhalten sich mit einem seiner Lehrer. Er ist ein Teil, der anderen Jugend Südafrikas. Der Junge wird abgeschottet vor den „Anderen“. Zäune umgeben das Haus seiner Eltern und mit einem Aidswaisen, ist er noch nie in Kontakt getreten. 

Diese Unterschiede innerhalb der Jugend zeigen, dass Südafrika noch immer ein Land mit vielen Problemen ist. Denn die Kinder von heute sind die Erwachsenen von Morgen. Sie werden das Bild der Regenbogennation in den nächsten Jahrzehnten prägen. Doch wie können die Südafrikaner der großen Unterschiede innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft entgegentreten? 

Zu allererst müssen sich die beiden Gruppen respektieren und akzeptieren. Aids ist ein großes Problem in Südafrika. Die Leute die helfen können, müssen auch helfen. Denn die Krankheit wird nie aus ihrem Land verschwinden, wenn Angst und Abscheu den Umgang mit den Aidskranken in diesem Staat prägen. Dabei ist es wichtig die Kindheit der Aidswaisen wieder herzustellen. Das erlebte muss verarbeitet werden. Nur so können die Kinder trotz ihrer Krankheit in die Gesellschaft integriert werden. Dann verliert auch das kleine Mädchen die Angst und die Skepsis in ihrem Gesicht. Dann kann sie wieder lachen.

Eine Antwort zu “Die Jugend Südafrikas”

  1. Elke sagt:

    Hallo zusammen,
    immer wieder sehr berührende Berichte und ganz tolle ausdrucksstarke Bilder!
    Schöne Grüße aus dem sonnigen Bergisch Gladbach.
    Elke

Hinterlasse eine Antwort